Gudrun von Schoenebeck – Ausstellung in der Galerie Clement: Mit Nichts glücklich zu sein

Bonn – Ein Hoch auf den Minimalismus in der Galerie Gisela Clement. Künstler beschäftigen sich mit dem Werk von Charlotte Posenenske.

Weniger ist mehr – der Ausdruck, den einst Ludwig Mies van der Rohe für seine schnörkellosen Bauten populär machte, ist längst auch im Alltag angekommen. Eine Google-Suche fördert „Tipps für ein minimalistisches Leben“ oder den „Trend, mit Nichts glücklich zu sein“ zutage. In der Bildenden Kunst hat es der Minimalismus dagegen oft schwer, denn er gilt als spröde, abweisend und wenig sinnlich. In der Ausstellung „Modi des Minimierens“, die Gisela Clement derzeit auf mehreren Etagen zeigt, ist das nicht anders. Aber Burkhard Brunn, der die Schau mit Arbeiten von 20 Künstlern kuratiert hat, zeigt gekonnt, wie man angesichts einer auf die Spitze getriebenen Reduktion ins Nachdenken und manches Mal auch ins Schmunzeln kommt.

Denn der minimalistische Ansatz hat nicht selten eine Chuzpe und provoziert, indem er vorführt, was dabei herauskommt, wenn die Dinge konsequent weitergedacht werden. Ausgangspunkt für diese hervorragende Ausstellung war das Werk von Charlotte Posenenske, die in den 1960er Jahren ihr konzeptuelles und performatives Werk entwickelte. Burkhard Brunn, Ehemann der 1985 verstorbenen Künstlerin und auch ihr Nachlassverwalter, zeigt nun also welche „Modi des Minimierens“ möglich sind: über die Reduktion des Inhalts, der Form, der Größe, des Gewichts, des Materials, der Farbe und der Arbeitsmethode.

Charlotte Posenenskes Vierkantrohre aus Stahlblech, die sich so selbstverständlich an die Hofmauern vor der Galerie schmiegen, als hätten sie eine wichtige Funktion, stimmen den Besucher ein. Was folgt ist ein wunderbarer Parcours durch die Gedankenwelt minimalistisch bewegter Künstler, deren reduzierte und bewusst einfache Arbeiten so manchen überbordenden Bedeutungsebenen in der Kunstanschauung sehr unzeremoniell die Luft herauslassen. Sara Sizer hat mit einem chemischen Verfahren die samtige Oberfläche eines Stoffes ausgebleicht, Rob Scholte zeigt uns frech die Rückseite eines gestickten Bildes mit Vermeer-Motiv und Michael Reiter stellt zwei quadratische Holzrahmen ineinander, die tatsächlich umfallen, wenn man drankommt. Allan McCollum malt seit vielen Jahren Bilder, die nichts zeigen, außer der Darstellung eines Bildes als solches und Andreas Exner hängt farbige, getragene Kleidungsstücke an die Wand, wo sie zur Malerei werden.

Martin Pfeifle legt eine gefaltete weiße Folie auf den Boden, die genau die Schnittstelle zwischen zweiter und dritter Dimension markiert, während Anita Stöhr-Weber mit dem gescannten Putzlappen einem höchst banalen Motiv eine überraschende Wertigkeit verleiht. David Semper schließlich lässt das Material und die Zeit für sich arbeiten und reduziert damit seinen Aufwand als Künstler exemplarisch. Er hat einen krummen Bleidraht mit einem Ende in die Wand getrieben und wartet einfach ab, bis das Blei sich selbst durch sein Eigengewicht begradigt hat.

Galerie Gisela Clement, Lotharstraße 104; bis 22. Dezember, Mi-Fr 14-18, Sa 13-17 Uhr und nach Vereinbarung. Midissage am 24. November ab 19 Uhr.

General Anzeiger Bonn, 21.11.2016

http://www.general-anzeiger-bonn.de/news/kultur-und-medien/bonn/Mit-Nichts-gl%C3%BCcklich-zu-sein-article3409893.html

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